Corona-Zeiten

In so kurzer Zeit hat sich unser Land, die Welt hat sich weiter verändert. Kaum zu fassen, wie schnell sich unser Leben mit seinen Gewohnheiten ändern kann.

Wir können kaum erklären, was hier passiert und viele Menschen fragen: „Wieso musste das passieren?“ Diese Epidemie, nein Pandemie, die vielen Menschen das Leben kostet, viele gesundheitlich bedroht und viele in wirtschaftliche Nöte bringt. Warum das alles? – Wir wissen es nicht.

An manchen Stellen wird darüber diskutiert, was für eine Strafe Gott den Menschen hier auferlegt. Von solchen Diskussionen halte ich nichts. Gott hat mit Jesus Christus Versöhnung in die Welt gebracht. Vergebung und Liebe in einer Qualität, wie niemals zuvor. Gott bringt keine Plage über die Menschheit. Das stimmt weder mit der frohen Botschaft, noch mit meinen Erfahrungen und meinem Gottesbild überein. Die Frage nach dem „Warum?“ wird ungelöst bleiben müssen. Die Frage nach dem „Warum?“ begleitet die Familie Mensch von Beginn an und hat viele Denker und Denkerinnen beschäftigt. Was immer bleibt ist, dass die Antwort nicht einfach ist und dass wir die Frage nicht beantworten können. Es gibt auf diese Frage keine schnelle oder einfache Antwort.

„Was in der Corona-Krise tun?“ sollte eher die Frage sein, die wir uns als Christen und Christinnen stellen sollten. Was ist unser Auftrag in diesen Tagen? Ich bin überzeugt, dass wir Hoffnung in die Welt tragen können. Indem wir anderen mit Tat zur Seite stehen. Indem wir Kontakt zu anderen Menschen halten. In dem wir davon erzählen, dass unsere Angst nicht so groß sein muss, denn wir wissen uns in Gottes Gegenwart aufgehoben, auch in schwierigen Situationen. Unser Auftrag ist, füreinander und miteinander zu beten und all das Leid, all die Unsicherheit, all die Angst, all das „Warum?“ Gott entgegen zu werfen. Der Psalmbeter von Psalm 121 spricht hier in der Sorge und Angst vor Gefahr von Gottes Schutz und Beistand. In der Krise fragt er „Woher kommt Hilfe für mich?“ Und die großartige, vertrauensgebende und beschenkende Antwort, die er gibt, ist: „Hilfe für mich, die kommt von HERRN.“

Nicht alle können das in diesen Tagen empfinden, viele können ein solches Vertrauen nicht aufbringen. Vielen geht es sehr schlecht auf dieser Welt. Unser Blick hierfür muss nicht weit weg gehen, unsere europäischen Nachbarn schon leiden unwahrscheinlich, erleben traumatisierendes. Und auch abseits, oder eher neben Corona, ist das Leid, das die Ärmsten, die Gescholtenen, die Geflüchteten, Hungernden, Kranken erleben, nicht gelöst – im Gegenteil. Lasst uns daher hilflos und zugleich mutig für uns und für viele andere mit dem Psalmbeter sprechen: Hilfe für mich, die kommt vom HERRN! Und darüber hinaus besonders an die Menschen denken, die diese Hoffnung nicht formulieren und erleben können.

121 1 EIN LIED FÜR DIE PILGERREISE. Ich schaue hoch zu den Bergen. Woher kommt Hilfe für mich?
2 Hilfe für mich, die kommt vom HERRN! Er hat Himmel und Erde gemacht.
3 Er lässt deinen Fuß nicht straucheln. Der über dich wacht, schläft nicht.
4 Sieh doch, der über Israel wacht: Der schläft und schlummert nicht.
5 Der HERR wacht über dich. Der HERR ist dein Schutz, er spendet Schatten an deiner Seite.
6 Am Tag wird dir die Sonne nicht schaden und der Mond nicht in der Nacht.
7 Der HERR behütet dich vor allem Bösen. Er wacht gewiss über dein Leben. 8 Der HERR behütet dein Gehen und Kommen von heute an bis in alle Zukunft.

(Übersetzung: Basisbibel)

Bleibt gesund. Gott befohlen, Damaris Hecker

Trost trotz Durststrecke

Gedanken zu Jesaja 66,10-14

Für Sonntag, 22. März, ist als Predigttext Jesaja 66,10-14 vorgeschlagen (nach der Perikopenordnung der EKD). Als ich überlege, zu welchem Text ich einen Impuls schreibe, kommt mir dieser Text nicht gerade naheliegend vor. Aber ich möchte mich auf ihn einlassen. Auf Worte, die ich nicht selbst gewählt habe, sondern die mir geschenkt werden. Sonntag der 22.3. ist der vierte Sonntag in der Passionszeit und heißt „Lätare“, das heißt: „Freue dich“. Ein Einschnitt in der Passionszeit, ein Einschnitt in dieser ganz anderen Fastenzeit, ein Einschnitt in den Tagen der Einschränkung und Angst wegen des Coronavirus. Seltsam unwirklich die Worte, wenn wir heute in die Welt sehen.
Jesaja 66 ist Teil des dritten Jesajabuches (Tritojesaja). Dieser unbekannte Prophet schrieb nach der Rückkehr aus dem Exil und dem Wiederaufbau des Tempels. Die Heimkehrenden erleben die Nachexilszeit nicht gerade als eine blühende und frohe Zeit. Sondern enttäuschen. Angekommen in der Heimat, aber auch auf dem Boden der Tatsachen. Sie erleben eine Durststrecke im Heimkehren. Nach dem Exil hätten sie anderes erwartet und erhofft. Vielleicht hatten sie sich im Exil etwas vorgemacht. Zu Hause, in der Heimat, da wäre alles besser, träumten sie. Und nun eine neue Durststrecke. Ich stelle mir vor, dass die Menschen, ähnlich wie damals in der Wüste, nach dem Auszug aus Ägypten, dachten und sagten: „Früher war alles besser, Exil / Sklaverei war eigentlich doch ziemlich gut.“

Aber nun stehen sie vor den Trümmern ihrer Heimat, vielleicht auch den Trümmern ihrer Träume und Hoffnungen. Sehen die viele Arbeit und Anstrengung, die nötig sein wird, um die Heimat wieder blühend und lebendig werden zu lassen. Hinzu kamen Zerwürfnisse mit den im Land geblieben Bewohnern, es gab Versorgungsengpässe, Nahrung und Wohnraum waren knapp.

In diese Situation hinein spricht Jesaja Gottes Heilsbotschaft. Das zukünftige Heil wird angekündigt. Welch wunderbare Worte. Alles was gerade fehlt, wird im Überfluss vorhanden sein. Jerusalem wird erstrahlen in neuem Glanz, reichlich Nahrung wird es geben und Trost. Reichtum und Frieden wird ihnen versprochen. Gott will sie trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Für so viele Menschen unter uns bedeuten die letzten Wochen und auch die kommenden, eine Durststrecke. Die einen erleben Leid und Not am eigenen Leib. Erkranken an dem neuartigen Virus, erkranken an anderen Krankheiten, brauchen medizinische Versorgung. Wie viele Menschen in unseren Nachbarländern hoffen vergeblich auf Hilfe? Manche erleben große wirtschaftliche Ängste und Not, weil sie nicht arbeiten dürfen, ihr Lebensunterhalt wegbricht und manch finanzielle Einbuße unumkehrbar ist und zur Insolvenz führen werden. Menschen erleben die Einschränkungen der sozialen Kontakte, das fehlende „sich in die Augen sehen“ oder in den Arm nehmen oder einfach das gemeinsame Kaffee trinken, als existenzielle Not. Einsamkeit macht Angst und lässt sich so schwer auffangen und greifen. Und wir erleben auch, wie Menschen egoistisch handeln, nach dem eigenen Vorteil schauen. Wir sehen, dass Flüchtlingshilfe und –aufnahme gestoppt werden. Wird hier Menschlichkeit gestoppt? Durststrecke also. Wieviele Pläne gab es für die nächsten Wochen und Monate: Passionszeit und dann Auferstehung feiern, andere schöne Veranstaltungen, Themen, Begegnungen, Urlaube. So viel abgesagt. Da hinein spricht Gott uns zu: Es wird Heil geben. Wir werden Heilung erfahren. Reichtum und Frieden. Gottes zukünftige Welt wird wunderbar heil sein. Gott wird uns trösten, wie eine Mutter tröstet. Unwillkürlich muss ich in meiner momentanen Situation an die vielen Mütter und auch Väter denken, die unter besonderen Herausforderungen ihren Alltag leben müssen. Für mich ist es in der angespannten Situation gar nicht einfach liebend, wertschätzend und geduldig mit den Menschen umzugehen, die ich am meisten liebe. So viel Zeit gemeinsam, in einer Wohnung, so wenig Routine, so unterbrochen zu arbeiten. Trösten wie eine Mutter? Na hoffentlich wie eine entspannte und zugewandte Mutter. Vielen Familien geht es in diesen Tagen nicht gut. Immer wieder höre und lese ich von der Sorge, dass häusliche Gewalt gegen Kinder und Frauen viele in den nächsten Tagen und Wochen gefährdet. Viele Eltern sind überfordert mit ihren Kindern die neue Situation einzuüben. Viele sind überhaupt überfordert. Viele können nicht wahrnehmen,  dass die Einschnitte auch für die Kinder riesengroß sind und die Kinder herausfordert und verunsichert. Wir spüren die Anspannung. Die Herausforderung. Die Aufgabe.
Alles das: Auch Grund zur Sorge.

Wie ermutigend die Verse aus dem Jesajabuch 66. Gottes Heilsbotschaft macht vor den niedergeschlagenen und herausgeforderten Heimkehrern aus dem Exil nicht halt. Gottes Heilsbotschaft macht auch vor der Coronakrise nicht Halt. Macht nicht Halt vor unserer Unsicherheit, Niedergeschlagenheit und unserer Herausforderung. Macht nicht Halt, auch wenn ich es nicht immer schaffe zu trösten.

Trost heißt nicht, dass Not, Leid oder Schmerz nicht da wären. Trost heißt, zu erleben, dass ich nicht alleine bin. Trost heißt, zu wissen, dass jemand mich versteht. Mein Leid, meine Sorge kennt. Diesen Trost möchte Gott uns schenken. Wie eine Mutter, die unendlich geduldig und liebend ist, tröstet mich Gott: Ich bin nicht allein. Ich bin geliebt. Ich werde verstanden. Gott hat in Jesus Christus gezeigt, dass er uns versteht. Selbst Mensch geworden kennt Gott alle menschlichen Bedürfnisse. Und versteht. Bleibt. Liebt. Tröstet.

Unsere Aufgabe ist es, die Zusagen Gottes für andere spürbar werden zu lassen. In der Familie, bei Freundinnen und Freunden. Bei Nachbarn. Bei Traurigen, Zweifelnden, Fragenden. Lasst in Liebe und Respekt füreinander da sein und Gottes Trost und Liebe weitergeben.

Wir dürfen uns getragen wissen auch in diesen Zeiten. In dieser neuartigen Fastenzeit. Im Verzicht auf vieles Liebgewonnene. Gott will uns trösten, wie eine Mutter tröstet. Ein Trost: Ostern ist, Ostern kommt. Wir leben schon heute in österlichem Licht, auch wenn manches dunkel erscheint.

Herausfordernde Zeiten

Es sind herausfordernde Zeiten, die wir erleben. Das Corona-Virus bringt unser aktives Gemeindeleben und unser gesellschaftliches Leben durcheinander und an vielen Stellen zum Erliegen. Das ist für viele schwierig, für manche Anfechtung und für wieder andere unverständlich.
Natürlich ist es herausfordernd mit vielen Einschränkungen, fehlender Routine und sozialem Abstand diese Tage und Wochen zu leben. Dennoch dürfen wir uns immer wieder selbst erinnern: Trotz aller Einschränkungen leben wir in einem Land, in dem es uns gut geht und wir gut versorgt sind.

Vieles wird geschrieben, gefilmt, gepostet und kommentiert. Viele gute Andachten und Gottesdienste könnt ihr im Netz und auch TV finden. Auch die Bibellesen können unsere Herzen füllen. Was nur schwierig gefüllt werden wird in den nächsten Wochen, ist das Bedürfnis nach Gemeinschaft, nach „unseren“ Gottesdiensten mit anschließendem Kirchenkaffee. Lasst uns dennoch dankbar sein für so viele Möglichkeiten in Kontakt zu bleiben. Wir haben Telefone, viele haben Messenger auf ihrem Handy, manche sind auch über instagram oder facebook verbunden. Nutzt eure Möglichkeiten. Ruft Menschen an, haltet Kontakt, sucht neue Anknüpfungspunkte.

In unseren Schaukasten habe ich ein Hilfsangebot gehängt. Mehr als 10 Einzelpersonen und Familien haben ihre Hilfe für Einkäufe und anderes angeboten. Das ist wirklich wunderbar.

Melden Sie sich bitte, wenn Sie Hilfe benötigen. Kontaktinformationen finden Sie auf http://www.emk-heidelberg.de.

Unser Schaukasten:

Alle Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen der Gemeinde werden bis 11.4.2020 ausgesetzt

Am Donnerstagabend, 12.03.2020, haben wir als Gemeindevorstand getagt und uns intensiv mit der Lage zur Situation zum Corona Virus beschäftigt.

Wir haben weitreichende Entscheidungen für unser Gemeindeleben getroffen: Ab sofort werden bis einschließlich Gründonnerstag keine Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen stattfinden. Das betrifft Veranstaltungen wie die Passionsandacht, Putztag, die Kochparty und anderes mehr. Auch die Gemeindefreizeit im Mai findet nicht statt.

Am Freitag, 13.03.2020, hat die Kirchenleitung einen Beschluss veröffentlicht, dass alle Gottesdienste und alle Gemeindeveranstaltungen bis zur Osternacht, 11.04.2020 ausfallen.

Wir sehen in dieser Situation die Verantwortung, die wir füreinander haben. Es gilt hier füreinander und für die, die besonderen Schutz brauchen einzustehen.

Dankessen für Mitarbeitende

Das Dankessen unserer Gemeinde war wieder einmal sehr schön. Dankbar für so viele wunderbare Menschen, die sich einbringen. Dankbar für eine lebendige Gemeinde. Dankbar für Wertschätzung und Achtung untereinander. Gott dankbar für so viel Geschenk. Für Leitung und Bewahrung und Segen.

Danke!