Sommer-Bibellese 18.8.2019

Hoffnung pflanzen
Wer Waffen sät wird Krieg ernten
Wer Angst sät wird Hass ernten
aber wir – wir pflanzen Hoffnung doch wofür wofür?
Dritte Welt
Zweite Welt
Erste Welt
Eine Welt
Alles eine Welt
Ist sie wie sie uns gefällt?
Vieles was in dieser Welt
mir so gar nicht gut gefällt
Was kann ich tun?
„Ich kann doch nichts tun…“
Was kann ich tun?
„Ich kann nicht viel tun. Aber doch einen Unterschied!“
Nicht Einheitsbrei aus Angst, Hass, gemischt mit Unsicherheit und Frust
Da macht eben eine Prise Salz doch einen Unterschied.
Wir pflanzen Hoffnung
Bäumchen der Menschlichkeit. Die wachsen können und groß werden
Menschen, die sich in die Augen sehen
Menschen, die einander stützen
Menschen die gemeinsam einen Baum pflanzen
Und wenn die Welt morgen nicht mehr sein wird
so pflanze ich doch einen Baum
Einen Baum der Menschlichkeit
Jede einen Baum, dann ist da ganz viel Menschlichkeit zum Wachsen
Dann ja dann ist Ostern. Und Weihnachten. Und Erfüllung. Ja dann.
Und jedeR mit nur einem Baum.

 

Damaris Hecker

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Sommer-Bibellese 17.8.2019

Mt 7,24-27

Das Haus auf dem Felsen – vom Fundament des Lebens

24 Jeder also, der diese meine Worte hört und sie tut, gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf den Felsen gebaut hat. 25 Und es fiel der Platzregen herab und es kamen Sturzbäche und es wehten die Winde, und sie stürzten auf jenes Haus los, und (doch) fiel es nicht, denn es war auf den Fels gegründet. 26 Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, gleicht einem unvernünftigen Mann, der sein Haus auf den Sand gebaut hat. 27 Und es fiel der Platzregen herab und es kamen die Sturzbäche, und es wehten die Winde, und sie prallten an jenes Haus, und es fiel ein, und sein Sturz war groß. (Übersetzung: Klaiber, Das Matthäusevangelium, Teilband 1: Mt 1,1-16,20, Die Botschaft des Neuen Testaments, 2015, S. 151)

 

Hier stoßen als Theorie und Praxis aufeinander. Es geht es darum, dass wir nicht nur hören, was er sagt, sondern danach handeln. Seine Worte sollen sich in uns festsetzen, in uns Fundament sein, das tief nach unten reicht, damit der Platzregen und die Sturzbäche nicht alles davon schwemmen. Also nicht allein auf das vertrauen, was Jesus sagt, sondern es auch wirklich zu leben, wahrzumachen, zu erfüllen.

Das Fundament ist hier zweierlei. Einerseits wie eben beschrieben, Jesu Worte. Zugleich aber ist das Fundament auch das, was wir daraus machen.

Vielleicht wäre diese Spannung so aufzunehmen: Das Fundament also ist nur ein solches, wenn auch das Handeln und tun dazu kommt.

Mit diesem Beispiel fasst Jesus noch einmal seine Botschaft der Bergpredigt zusammen: „Die bedingungslose Zusage der Nähe Gottes und seiner gnädigen Herrschaft, wie sie in den Seligpreisungen ausgesprochen wird, ist zugleich die unbedingte Anfrage an die Gestaltung unseres Lebens, die uns herausfordert, alles auf Jesu Wort zu setzen.“ (Klaiber, Das Matthäusevangelium, Teilband 1: Mt 1,1-16,20, Die Botschaft des Neuen Testaments, 2015, S. 152)

Paulus schreibt im Galaterbrief 5,6:

Es zählt nur der Glaube, der sich in Liebe auswirkt. (Übersetzung: Basisbibel)

 

Sommer-Bibellese 16.8.2019

Mt 7,12-14 (Basisbibel)

12 »Genau so, wie ihr behandelt werden wollt, behandelt auch die anderen! Denn so steht es im Gesetz und bei den Propheten

13 »Geht durch den engen Eingang! Denn das Tor zum Verderben ist weit und der Weg dorthin ist breit – viele wählen diesen Weg.

14 Aber wie eng ist das Tor zum Leben und wie schmal ist der Weg dorthin – nur wenige finden diesen Weg.«

 

Ich mag Wege, die nicht gepflastert sind. Wege die kaum zu sehen, die versteckt sind. Ich würde immer lieber Wege gehen, die unauffällig, einsam, verwunschen, verwildert ja ungewiss scheinen.

Soweit die Theorie.

Praktisch erinnere mich an einen Wanderweg, als wir im Frühjahr einen kleinen Urlaub am Bodensee machten und eine Wanderung uns durch Apfelbaumplantagen führte. Schön, aber wo ist hier der Weg? Sind wir wirklich richtig? Nicht mal ausgetreten schienen da Wege zu sein.

Beim Joggen am Neckar laufe ich manchmal eine Runde über die alte Brücke und dann unten direkt am Neckar zurück. Wie Urlaub ist es da, weg von der Straße auf dem engen Weg. Aber zum joggen nicht ungefährlich. Uneben ist es und eng. Ich muss eigentlich dauernd auf den Boden schauen. Anderes wahrnehmen, dafür muss ich anhalten und wirklich bewusst innehalten.

Auf dem Berg Sinai gab es einen schmalen Weg mit einem Rundbogen. Diesen schmalen Weg hinauf gehen und durch den Torbogen „einzutreten“ war ein ganz besonderes Gefühl, auch wenn es danach einfach weiterging auf unserem Weg.

Ich spüre, dass meine theoretische Schwäche für schmale Wege und enge Eingänge nicht ganz übereinstimmt mit meinem Erleben und Empfinden.

Im Nachdenken über den schmalen Weg und das enge Tor spüre ich:

Schmale Wege sind nicht leicht zu finden, auch nicht leicht zu gehen. Sie verunsichern, geben weder Sicherheit ob es der richtige Weg ist, noch die Sicherheit, dass es sicher ist.

Diese Wege sind nicht leicht zu gehen. Aber wenn wir es wagen nicht die breiten Straßen zu nutzen, Wege, die alle gehen zu gehen, sind bei aller Gefahr und Unsicherheit ganz wunderbare Eindrücke und Erlebnisse möglich. Das gilt beim Wandern und Spazieren genauso, wie im Leben.

Was sind unsere Wege, die wir gehen? Woran erkennen wir die Wege, die uns Jesus vorgeht? Ich wünsche Ihnen, euch und mir, dass wir heute ganz bewusst Wege gehen. Vielleicht einen ungewohnten Weg, einen Umweg, einen Feldweg, statt des immer gleichen Weges. Und dabei darüber nachzudenken und Impulse zu bekommen, wohin Jesus uns führen möchte. Vielleicht wird unser Weg genau heute durchkreuzt und macht unsere Augen, Ohren und Herzen offen für Gottes Impulse.

Damaris Hecker

Sommer-Bibellese 15.8.2019

Mt 7,7-11

7 Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet! 8 Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. 9 Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, 10 oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? 11 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten.

V.7 enthält die Aufforderungen: Bittet, sucht, klopft an! V.8 begründet diese Aufforderungen mit Verheißungen: Der Bittende empfängt, der Suchende findet, dem Anklopfenden wird geöffnet. Entspricht das unserer Erfahrung? Ja und Nein. Das Kind erhält im Spielwarenladen nicht alles, worum es bittet und der verzweifelnd Suchende findet wahrscheinlich auch nicht immer alles in der Abstellkammer. Und doch hat Jesus schon recht: Wenn mich meine Tochter um Brot bittet, wer bin ich, dass ich es ihr verweigere? (Etwas anderes ist es natürlich, wenn sie mich durchweg um Nutellabrot bittet.) Interessanterweise steht neben der Einsicht, dass die Menschen böse sind (vgl. Mt 15,19), die Auskunft, dass dieselben Menschen gute Gaben geben können (V. 11). Aber warum ist denn der Mensch böse zu nennen, wenn er doch Gutes tut oder tun kann? ‚Böse‘ ist in diesem Kontext nicht moralisch, sondern theologisch bzw. aus dem Verhältnis zu Gott heraus zu verstehen: Allein Gott ist der Gute (Mt 19,17) und das Verhältnis des Menschen zu Gott ist gestört, er ist vom Guten geschieden. Das Böse-Sein des Menschen ist sein Geschieden-Sein von Gott. Und dennoch leuchtet in jedem Menschen das Väterliche und Mütterliche Gottes auf: Jeder (psychisch gesunde) irdische Vater und jede (psychisch gesunde) irdische Mutter würde die notwendigen Bedürfnisse des Kindes erfüllen. Wieviel mehr der himmlische Vater! Er ist also der rechte Adressat unserer Bitten. Freilich ist Jesu Anweisung zum Beten nicht als unfehlbar wirkender Zauberritus zu verstehen. Bittgebete ‚klappen‘ nicht immer! Manche christlichen Gruppierungen gehen aber davon aus: Dadurch begehen sie in meinen Augen aber geistlichen Missbrauch. Denn dann werden Noterklärungen nötig: ‚Gott hat dein Kind noch nicht geheilt, weil er deine Geduld noch testen möchte‘. ‚Du musst noch ganz rein werden, erst dann wird der finanzielle Segen über deine Familie kommen‘. Bei all dieser notwendigen Kritik an einem am Wunschautomaten orientierten Gebetsverständnis ist solchen Gruppierungen zuzugestehen, dass sie ernst machen mit Jesu Verheißung: Wer bittet, der empfängt! Auch johanneische Texte enthalten übrigens eine solche vertrauensvolle Gebetslehre (Joh 14,14; 1 Joh 5,14f.). Ich kann gut nachvollziehen, dass man nach einem Bittgebet nun überlegt: Wann empfange ich jetzt das Erbetene? Und wie? Und wodurch? Die Bibelwissenschaftler sind sich weitestgehend darin einig, dass es bei der Gebetslehre Jesu besonders um die Gewissheit der Erhörung und um das Aufhören des Sich-Sorgens geht: Wer sich mit seinen irdischen Nöten an Gott, den Vater, wendet, der soll wissen, dass seine Nöte gehört wurden. Die Nöte verschwinden vielleicht nicht sofort – wobei auch dies auf jeden Fall vorkommen kann! – aber sie sind dadurch leichter zu tragen. Wie gesagt, vielleicht erhalten wir nach unseren Gebeten nicht das gewünschte Irdische wie z.B. Gesundheit, aber bitten wir ehrlich um den Empfang von Himmlischem, dann wird unser Gebet sicherlich erhört: Wer um Sündenvergebung bittet, erhält sie; wer Gott sucht, findet ihn; wer bei Jesus anklopft, dem wird Einlass gewährt.

Thomas Stil

 

Sommer-Bibellese 14.8.2019

Mt 7, 1 – 6 Vom Richten

  1. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.
  2. Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.
  3. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge.
  4. Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem ziehen? Und siehe, ein Balken ist in deinem Auge.
  5. Du, Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach sieh zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.
  6. Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen nicht vor die Säue werfen, damit sie sie nicht zertreten mit ihren Füssen und sich umwenden und euch zerreißen.

Wir sind ja schnell dabei über Andere den Kopf zu schütteln, auch wenn wir es nicht laut aussprechen; wir erheben uns über sie und glauben wir sind die Besseren. Unwillkürlich werden wir  an die Geschichte vom “Schalksknecht“ aus Mt.18 erinnert; ein Mann ist total verschuldet, keine Aussicht, dass er jemals die Schulden abtragen kann, und dann erlässt ihm der König sämtliche Schulden – Freiheit, er kommt aus dem Gefängnis und kann wieder leben!! Was passiert, er sieht einen Mann, der ihm einen ganz geringen Betrag schuldet und er fordert ihn unverzüglich ein, und geht mit großer Härte gegen ihn vor. Man fragt sich, wie kann sowas sein, gerade hat er eine Millionenschuld erlassen bekommen.     Und genau so sind wir, Gott hat uns, durch Jesus Tod, alle Schuld erlassen, und wir glauben unsere Geschwister beurteilen und verurteilen zu können. Gott sei Dank ist er wesentlich barmherziger wie wir!! Jesus macht es hier so drastisch klar, den Splitter sehen wir, aber den Balken bei uns nicht. Jesus ist der Balkenentferner, erst, wenn er mir den Balken entfernt hat, und mir klar bewusst wird, in welcher Gottesferne ich mich befunden habe, können wir aus dieser Tiefe heraus und wenn es unser Auftrag ist, auch anderen liebevoll und betend helfen einen Splitter zu entfernen. Und wir sollten aufpassen, dieses Problem ist nicht ein für alle Mal erledigt, auch wenn ich heute die Erkenntnis habe, kann ich morgen schon wieder in die Unbarmherzigkeit fallen. Wir bleiben immer Lernende und sind total auf die Liebe und Barmherzigkeit Jesu angewiesen.

Das Heilige nicht den Hunden geben und die Perlen nicht vor die Säue werfen, was könnte hier Jesus meinen?  Wenn Menschen absolut ablehnet sind, sich über heilige Dinge lustig machen, dürfen wir sicher unser Zeugnis einstellen und sollen nicht weiter versuchen sie zu überzeugen.

Es könnte aber auch sein, dass Jesus darauf hinweist, dass die ganze Bergpredigt im Kontext nur mit ihm gesehen und vor allem gelebt werden kann. Es geht ihm nicht um die allgemeine Regel, seid nett zueinander. Das ist natürlich nicht verwerflich sich daran zu orientieren. Aber wir sind ja nicht Nachfolger Jesu, die seinen Worten Folge leisten, weil wir wollen, dass die Leute nett zu uns sind.     Wir wollen so leben, weil Gott es sagt, weil wir ihn verherrlichen wollen, weil wir ihm die Ehre geben, weil wir zuerst nach seinem Reich trachten!! Und wir wollen Menschen weitersagen, was das bedeutet: Freiheit, Schuldvergebung und Hoffnung auf die Ewigkeit = Sinnerfüllt leben! Und da wären es tatsächlich Perlen vor die Säue, wenn wir mit der allgemeinen “Nettigkeit und dem “Gutmenschen“ zufrieden wären; letztendlich würde es sich auch gegen uns wenden.

Barbara Ludwig

Sommer-Bibellese 13.8.2019

Mt 6,25-34

Vom Sorgen
25Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? 26Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? 27Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? 28Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 29Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist, wie eine von ihnen. 30Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? 31Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? 32Nach all dem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. 33Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird auch das alles zufallen. 34Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Auf den ersten Blick scheint dieser Text für uns keine große Bedeutung zu haben, denn zu essen, zu trinken und anzuziehen haben wir mehr als genug. Immerhin leben wir in einem entwickelten Industrieland. Aufgrund eines hohen Einsatzes von Technik in der Landwirtschaft und umfangreicher Sozialleistungen sind Lebensunterhalt und Existenz-minimum im Allgemeinen gesichert. Aber das heißt ja nicht, dass wir keine Sorgen hätten. Es sind eben nur andere Sorgen. Ich z.B. hadere momentan mit meiner Arbeit. Sie gibt sich etwas monoton. Zumindest im Vergleich zu den Tätigkeiten, die ich vorher ausgeübt habe. Bisweilen habe ich das Gefühl, dass ich aus dem aktuellen Umfeld nicht mehr herauskomme, wenn ich zu lang darin bin. Und da die vorherrschende Denkweise, dass man sich von einer Tätigkeit zur nächsten weiter entwickelt, auch an mir nicht ganz vorbei geht, würde ich doch vom Sorgen sprechen. Und plötzlich ist der Text doch interessant. Er hat zwei Botschaften parat. Erstens: Wir können uns ganz auf Jesus verlassen. Die Vögel unter dem Himmel (Vers 26) und die Lilien auf dem Feld (Vers 28) sorgen selbst nicht vor und finden doch genug zu fressen oder sind gut gekleidet. Auch ich habe das schon erlebt. Weil ich nach meinem Studium gern an einer Universität arbeiten wollte, habe ich mich (fast) ausschließlich auf akademische Stellen beworben. Aber es hat einfach nicht geklappt. Über eine sehr lange Zeit habe ich nur Absagen erhalten und nach 20 Monaten hatte ich das Vorhaben endgültig aufgegeben. Zwei Bewerbungen waren zu diesem Zeitpunkt noch unterwegs, von denen ich aber nichts mehr erwartet habe. Eine ging nach Heidelberg. Es hat geklappt und so bin ich hierher gekommen.
Das Beispiel zeigt aber auch, dass wir immer wieder Wüstenzeiten durchleben müssen. Und manchmal wirkt Gott auf ganz andere Weise, weil er andere Pläne hat. Denn (und das ist die zweite Botschaft) bei ihm gelten andere Maßstäbe. Bei ihm ist der Lebenslauf nicht nur dann gelungen, wenn er sich in Übereinstimmung mit weltlichen Konzepten der beruflichen Entwicklung deckt. Das entnehme ich dem Vers 29. Salomo war bekannt für seine Pracht und Herrlichkeit. Und doch wird den Lilien bescheinigt, dass sie besser gekleidet seien als er. Nach Gottes Maßstab und seinen Plänen eben. Da wir Gottes Plan im Vorfeld aber oft nicht kennen, brauchen wir das Vertrauen in seine Führung. Das Vertrauen darauf, dass sein Plan besser ist als das Ergebnis unserer Überlegungen. Wir dürfen Jesus darum bitten.

Christian Pfeil

Sommer-Bibellese 12.8.2019

Mt 6,19-24

Vom Schätze sammeln

19Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. 20Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. 21Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. 22Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. 23Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! 24Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Was bestimmt das Handeln der Menschen? Diese Frage wird in der Wissenschaft im Allgemeinen und der Wirtschaftswissenschaft im Speziellen sehr unterschiedlich beantwortet. Die neoklassische Wirtschaftstheorie geht davon aus, dass Menschen rational, also vernünftig, handeln. Eine Person, die 1 Euro geschenkt bekommt, freut sich darüber, denn 1 Euro ist eindeutig mehr als gar kein Geld. Aber ehrlich: Wer freut sich heute noch über 1 Euro? Dass Menschen oft auch irrational, in diesem Sinn also unvernünftig, handeln, zeigt die Verhaltensökonomik, indem sie experimentell bestätigt, dass Menschen sehr darauf bedacht sind, Risiken zu senken und Verluste zu vermeiden. Wenn wir etwas besitzen, tun wir viel dafür, es auch zu behalten. Die Elberfelder Bibel übersetzt in Vers 19: „… wo Diebe durchgraben und stehlen“ und meint damit wohl, dass man damals durch Häuserwände leicht durchgraben konnte, weil sie aus Lehm bestanden. Dieses Problem existiert heute nicht mehr. Das kann man in Heidelberg und Umkreis gut erkennen, wo manche Häuser und Grundstücke eher wie Festungen aussehen.

Mir wird klar, dass das Sammeln irdischer Schätze sehr tief im menschlichen Bewusstsein verwurzelt ist und dass ein enger direkter Zusammenhang zwischen dem Besitz und der Bindung an diesen Besitz existiert. Deshalb sagt Jesus auch: „Sammelt keine irdischen Schätze“. Für Menschen, die davon ausgehen, dass es keinen Himmel gibt, ist dieser Text folglich eine große Herausforderung, wenn nicht sogar eine Provokation. In etwas zu investieren, das nicht kommen wird, ist reine (Geld-) Verschwendung.

Was Jesus hier „verlangt“, ist weder für seine Zuhörer damals noch seine Leser heute allein zu schaffen. Da hilft seine Anmerkung, dass Motten und Rost unsere Besitztümer fressen, wenig. Und dennoch wünschen Menschen sich auch, dass es mehr gibt als nur das, was vor Augen ist. Vor allem, weil die irdische Welt oft als ungerecht empfunden wird. Im Hauskreis habe ich wieder neu gelernt, dass Jesus uns verändern kann. Dass er Veränderungen bewirken kann, die mit menschlicher Kraft nicht zu schaffen sind. Lasst uns auf ihn vertrauen.

Christian Pfeil