Sommer-Bibellese 29.8.2019

Mt 9,18-26 (Basisbibel)
Jesus heilt eine Frau und weckt ein Mädchen vom Tod auf

18 Während Jesus mit den Jüngern von Johannes sprach, sieh doch: Da kam einer der Synagogenleiter dazu. Er warf sich vor ihm nieder und sagte: »Meine kleine Tochter ist gerade gestorben. Bitte komm mit und lege ihr deine Hand auf – dann wird sie wieder lebendig.« 19 Jesus stand auf und folgte ihm. Auch seine Jünger kamen mit. 20 Und sieh doch: Da kam eine Frau von hinten an Jesus heran, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt. Sie berührte eine Quaste seines Mantels21 Denn sie sagte sich: »Wenn ich nur seinen Mantel berühre, werde ich gesund.« 22 Jesus drehte sich um. Als er sie sah, sagte er: »Fasse Mut, meine Tochter! Dein Glaube hat dich gerettet!« Von diesem Augenblick an war die Frau gesund. 23 Dann kam Jesus in das Haus des Synagogenleiters. Er sah die Flötenspieler und die aufgeregten Menschen. 24 Er sagte: »Geht hinaus! Das Mädchen ist nicht tot, sondern es schläft nur.« Da lachten die Leute ihn aus. 25 Er aber warf die Volksmenge hinaus. Dann ging er hinein zu dem Mädchen und ergriff seine Hand – da stand es auf. 26 Die Nachricht darüber breitete sich in der ganzen Gegend aus.

Als Gemeindevorstand haben wir gemeinsam diesen Text gelesen und Gedanken dazu ausgetauscht. Was für eine Vertrauensgeschichte. Der Synagogenleiter, wie auch die Frau, die an Blutungen litt hatten größtes Vertrauen und den festen Glauben, dass Jesus helfen kann, heilen kann, auferwecken kann. Dinge, die kaum vorstellbar sind, sind möglich bei Jesus.
In diesem Text folgt Jesus der Bitte des Synagogenleiters, wie die Jünger, die er beruft. Jesus stand auf und folgte ihm. Und doch folgt er zunächst nur ein Stück, sein Jünger mit ihm. Dann folgt doch schnell eine Unterbrechung. Was wird er gedacht haben, der Vater, der seine Tochter tot weiß, nicht mit all den anderen im Haus trauert und die Trauerrituale durchführt. Wurde er unsicher, ob er das Richtige tut? Hatte er Geduld und Zeit und in seinem Vertrauen und Glauben unumstößlich? Wir wissen es nicht. Aber wir lernen: Unterbrechungen sind immer möglich. Und doch ist Jesus unterwegs mit dem Vater. Auch heute unterwegs mit uns.
Die blutflüssige Frau hatte sicher eine lange Leidenszeit und Ausgrenzung hinter sich, als eine Frau, die nach jüdischem Glauben unrein war. Sicherlich hatte sie alle schon versucht, um Heilung zu erfahren und nun versucht sie es in großem Vertrauen nocheinmal. Hoffnungsvoll, „wenn ich nur einen Faden seines Mantel berühre, werde ich gesund.“ Ihr Glaube hat sie gerettet.
Manches Mal werden wir die sein, die Jesus unterbrechen, manches Mal werden wir die Wartenden sein.
Kurz bevor ich diese Zeilen schreibe habe ich stillgeborene Kinder begraben. Drei mal im Jahr tragen die Seelsorgerinnen der Frauenklinik und ich bei der Sammelbestattung diese Kinder zu Grabe. Es fällt mir schwer angesichts der Trauer und des Todes diesen Bericht zu lesen. So viele, die nicht auferweckt werden, so viele die nicht leben können. Dann kommt mir doch die Unterbrechung in den Sinn und der Mut, den der Vater hier hatte. Ich weiß auch, dass manches ganz anders gedacht werden muss. Ich weiß, dass Jesus nicht alle zum Leben erweckte. Ich weiß, dass unser Leben endlich und vergänglich ist auf dieser Erde. Dass Jesus über jedes Leben weint und mitleidet mit den Trauernden. Ich glaube, dass wir unterbrochen werden und gerade hier Mut, Vertrauen, Glaube und Hoffnung gesät wird.
Diese Erzählung erinnert uns, dass wir auch ganz anders denken dürfen, dass wir an Situationen auch ganz anders rangehen sollen, als gewohnt. Jesus lässt sich rufen, Jesus folgt, geht mit, lässt sich unterbrechen. – Dazu den Mut aufbringen, Jesus aufzusuchen, zu rufen und auch zu vertrauen, wenn etwas dazwischen kommt, das lernen und einüben, dazu macht dieser Text Mut.

Damaris Hecker

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