Sommer-Bibellese 28.8.2019

Mt 9, 14-17, Es ist nicht viel Zeit zum Fasten (aus Online-Basisbibel)

14 Danach kamen die Jünger von Johannes zu Jesus. Sie fragten: »Warum fasten wir und die Pharisäer so oft, aber deine Jünger nicht?«
15 Jesus antwortete ihnen: »Sollen die Hochzeitsgäste etwa trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Aber es wird eine Zeit kommen, da wird der Bräutigam aus ihrer Mitte gerissen. Dann werden sie fasten.
16 Niemand näht ein neues Stück Stoff auf einen alten Mantel. Denn der neue Stoff wird vom Mantel abreißen und der Riss wird größer als vorher.
17 Niemand füllt neuen Wein in alte Weinschläuche. Sonst platzen die Schläuche. Der Wein läuft aus und die Schläuche werden unbrauchbar. Nein: Neuer Wein gehört in neue Schläuche, so bleiben beide erhalten.«

Andacht

Sicher war das Fasten der Jünger des Johannes ein ernsthaftes inneres Fasten und weniger ein traditionelles äußerlichen Fasten, wie es damals viele Pharisäer pflegten. Aber sie hatten nicht ausreichend verstanden, dass mit Jesus derjenige unter ihnen war, welchem die volle Zuneigung hätte gewidmet werden sollen. Jesus vergleicht seine Anwesenheit mit dem des Bräutigams auf einer Hochzeit – da wäre es doch seltsam, wenn der Bräutigam und die Braut nicht Mittelpunkt wären.Bild Geschenk der Gnade
Die Pharisäer konnten nicht verstehen und akzeptieren, dass Gott in der Person Jesu Gnade übte an Zöllnern und Sündern, also an Menschen, die in den Augen der Pharisäer „das Gesetz nicht kannten“. Jesus sagt, dass gerade diese außenstehenden Menschen und das ganze Volk Israel und darüber hinaus, Gottes Wort nötig hatten.
Gottes Gebote wurden in Gesetze umgewandelt und nun nahm Gott die Kreuzigung Jesu zum Anlass, etwas ganz Neues, nämlich seine Gnade einzuführen.
Jesus verkörperte dies Neue, während die Jünger des Johannes, zumindest noch teilweise, für das Alte standen, von dem sie sich offenbar noch nicht lösen konnten.
Wer dieses Neue mit dem alten System verbinden will, indem er sozusagen einen neuen Flicken auf ein altes Kleidungsstück näht oder neuen Wein in alte Schläuche füllt, der würde das Alte zerstören und das Neue kaputt machen bzw. seine Entfaltung hemmen. Jesus möchte aber das alte Gesetz durch die neue Gnade ablösen.
Die neue Freude, die Jesus brachte, konnte in den mit der Zeit entstandenen gesetzlichen Formen und Riten keinen Ausdruck finden.
Die wahre Lebenskraft des Christen entspringt dem Bewusstsein, dem Leben, der Inanspruchnahme und dem Weitergeben der Gnade. Ein solches Leben ist geprägt von Aufmerksamkeit, Solidarität, Gerechtigkeit und Bewusstheit.

„Gnade verdient man sich nicht; sie wird einem angeboten.“

Lasst uns täglich dieser Gnade bewusst sein und in ihr leben.

Amen

 

Von Manfred Groß