Sommer-Bibellese 27.8.2019

Mt 9,9-13 (Basisbibel)

Jesus beruft Matthäus und isst mit den Zolleinnehmern

9 Jesus ging von dort weiter. Da sah er einen Mann an seiner Zollstation sitzen, der hieß Matthäus. Jesus sagte zu ihm: »Komm, folge mir!« Da stand er auf und folgte ihm. 10 Später war Jesus im Haus zum Essen. Und sieh doch: Viele Zolleinnehmer und andere mit Schuld beladene Menschen kamen dazu. Sie aßen mit Jesus und seinen Jüngern. 11 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: »Warum isst euer Lehrer mit Zolleinnehmern und solchen schuldbeladenen Menschen?« 12 Jesus hörte das und gab ihnen zur Antwort: »Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. 13 Überlegt doch einmal, was es bedeutet, wenn Gott sagt: ›Ich will, dass ihr barmherzig seid, und nicht, dass ihr mir irgendwelche Opfer bringt!‹ Ich bin nicht gekommen, um die Gerechten zur Umkehr zu rufen, sondern die Menschen, die voller Schuld sind.«

 

Jesus öffnet nicht nur Augen, er hat offene Augen. Er sieht die Welt um sich herum, er sieht Menschen, Wohlhabende wie Arme, Gebildete wie Ungebildete, er sieht was sie brauchen. Er sieht ihre Bedürftigkeit.

„Jesus ging von dort weiter. Und sieht einen Mann an seiner Zollstation sitzen.“

Ich versuche immer wieder bewusst durch unsere Stadt zu gehen. Erst durch dieses „Bewusst-machen“ habe ich erkannt, wie oft mein Blick total verschlossen ist, dann sehe ich nichts und niemanden. Mache ich es mir bewusst, schaue und beobachte, dann sehe ich so viele, die nichts und niemanden sehen. Aber ich sehe auch Menschen mit unterschiedlichen Herausforderungen, Menschen mit sichtbaren Handicaps, andere die makellos scheinen, Menschen mit Taschen und Tüten voller Einkäufe und Menschen mit Taschen und Tüten voll mit all ihrem Hab und Gut.

Jesus sah sie alle. Jesus sieht sie alle. Und Jesus sprach sie an, lud sie ein, forderte sie auf und ganz oft aß er mit ihnen.

Ich habe zum Wiederholten Male einen Mann in der Stadt gesehen: In seinem nicht passenden Rollstuhl sitzend, die Armut ist ihm Anzusehen, er schaut in Leere. Jedes Mal. Hat er überhaupt ein zu Hause? Das letzte Mal als ich ihn sah, habe ich entschieden, dass ich ihm etwas zu essen kaufe. Ich habe nicht mit ihm gegessen, nicht lange mit ihm gesprochen, ihn nicht eingeladen. Ich habe einen Anfang gemacht. Einen Anfang, ich habe Lebensmittel gekauft, ihn angesprochen, es ihm gegeben, ihm einen guten Appetit gewünscht und bin weiter gegangen. Vielleicht wird das nächste Mal mehr daraus. Jesus hätte es getan, er hätte ihn gesucht, angesprochen.

Barmherzig denken ist leichter als danach zu handeln.

Lasst uns heute mit offenen Augen durch die Welt gehen. Durch unsere Straße, durch unseren Stadtteil, zur Arbeit, zu Freundinnen und Freunden. Sehen, wem wir da unterwegs begegnen. Hinsehen. Wahrnehmen. Barmherzig sein. Barmherzig werden. Jesus folgen.

Damaris Hecker