Sommer-Bibellese 13.8.2019

Mt 6,25-34

Vom Sorgen
25Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? 26Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? 27Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? 28Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 29Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist, wie eine von ihnen. 30Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? 31Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? 32Nach all dem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. 33Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird auch das alles zufallen. 34Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Auf den ersten Blick scheint dieser Text für uns keine große Bedeutung zu haben, denn zu essen, zu trinken und anzuziehen haben wir mehr als genug. Immerhin leben wir in einem entwickelten Industrieland. Aufgrund eines hohen Einsatzes von Technik in der Landwirtschaft und umfangreicher Sozialleistungen sind Lebensunterhalt und Existenz-minimum im Allgemeinen gesichert. Aber das heißt ja nicht, dass wir keine Sorgen hätten. Es sind eben nur andere Sorgen. Ich z.B. hadere momentan mit meiner Arbeit. Sie gibt sich etwas monoton. Zumindest im Vergleich zu den Tätigkeiten, die ich vorher ausgeübt habe. Bisweilen habe ich das Gefühl, dass ich aus dem aktuellen Umfeld nicht mehr herauskomme, wenn ich zu lang darin bin. Und da die vorherrschende Denkweise, dass man sich von einer Tätigkeit zur nächsten weiter entwickelt, auch an mir nicht ganz vorbei geht, würde ich doch vom Sorgen sprechen. Und plötzlich ist der Text doch interessant. Er hat zwei Botschaften parat. Erstens: Wir können uns ganz auf Jesus verlassen. Die Vögel unter dem Himmel (Vers 26) und die Lilien auf dem Feld (Vers 28) sorgen selbst nicht vor und finden doch genug zu fressen oder sind gut gekleidet. Auch ich habe das schon erlebt. Weil ich nach meinem Studium gern an einer Universität arbeiten wollte, habe ich mich (fast) ausschließlich auf akademische Stellen beworben. Aber es hat einfach nicht geklappt. Über eine sehr lange Zeit habe ich nur Absagen erhalten und nach 20 Monaten hatte ich das Vorhaben endgültig aufgegeben. Zwei Bewerbungen waren zu diesem Zeitpunkt noch unterwegs, von denen ich aber nichts mehr erwartet habe. Eine ging nach Heidelberg. Es hat geklappt und so bin ich hierher gekommen.
Das Beispiel zeigt aber auch, dass wir immer wieder Wüstenzeiten durchleben müssen. Und manchmal wirkt Gott auf ganz andere Weise, weil er andere Pläne hat. Denn (und das ist die zweite Botschaft) bei ihm gelten andere Maßstäbe. Bei ihm ist der Lebenslauf nicht nur dann gelungen, wenn er sich in Übereinstimmung mit weltlichen Konzepten der beruflichen Entwicklung deckt. Das entnehme ich dem Vers 29. Salomo war bekannt für seine Pracht und Herrlichkeit. Und doch wird den Lilien bescheinigt, dass sie besser gekleidet seien als er. Nach Gottes Maßstab und seinen Plänen eben. Da wir Gottes Plan im Vorfeld aber oft nicht kennen, brauchen wir das Vertrauen in seine Führung. Das Vertrauen darauf, dass sein Plan besser ist als das Ergebnis unserer Überlegungen. Wir dürfen Jesus darum bitten.

Christian Pfeil

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