Sommer-Bibellese 12.8.2019

Mt 6,19-24

Vom Schätze sammeln

19Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. 20Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. 21Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. 22Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. 23Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! 24Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Was bestimmt das Handeln der Menschen? Diese Frage wird in der Wissenschaft im Allgemeinen und der Wirtschaftswissenschaft im Speziellen sehr unterschiedlich beantwortet. Die neoklassische Wirtschaftstheorie geht davon aus, dass Menschen rational, also vernünftig, handeln. Eine Person, die 1 Euro geschenkt bekommt, freut sich darüber, denn 1 Euro ist eindeutig mehr als gar kein Geld. Aber ehrlich: Wer freut sich heute noch über 1 Euro? Dass Menschen oft auch irrational, in diesem Sinn also unvernünftig, handeln, zeigt die Verhaltensökonomik, indem sie experimentell bestätigt, dass Menschen sehr darauf bedacht sind, Risiken zu senken und Verluste zu vermeiden. Wenn wir etwas besitzen, tun wir viel dafür, es auch zu behalten. Die Elberfelder Bibel übersetzt in Vers 19: „… wo Diebe durchgraben und stehlen“ und meint damit wohl, dass man damals durch Häuserwände leicht durchgraben konnte, weil sie aus Lehm bestanden. Dieses Problem existiert heute nicht mehr. Das kann man in Heidelberg und Umkreis gut erkennen, wo manche Häuser und Grundstücke eher wie Festungen aussehen.

Mir wird klar, dass das Sammeln irdischer Schätze sehr tief im menschlichen Bewusstsein verwurzelt ist und dass ein enger direkter Zusammenhang zwischen dem Besitz und der Bindung an diesen Besitz existiert. Deshalb sagt Jesus auch: „Sammelt keine irdischen Schätze“. Für Menschen, die davon ausgehen, dass es keinen Himmel gibt, ist dieser Text folglich eine große Herausforderung, wenn nicht sogar eine Provokation. In etwas zu investieren, das nicht kommen wird, ist reine (Geld-) Verschwendung.

Was Jesus hier „verlangt“, ist weder für seine Zuhörer damals noch seine Leser heute allein zu schaffen. Da hilft seine Anmerkung, dass Motten und Rost unsere Besitztümer fressen, wenig. Und dennoch wünschen Menschen sich auch, dass es mehr gibt als nur das, was vor Augen ist. Vor allem, weil die irdische Welt oft als ungerecht empfunden wird. Im Hauskreis habe ich wieder neu gelernt, dass Jesus uns verändern kann. Dass er Veränderungen bewirken kann, die mit menschlicher Kraft nicht zu schaffen sind. Lasst uns auf ihn vertrauen.

Christian Pfeil

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