Sommer-Bibellese 10.8.2019

Mt 6,16-18  Die Verborgenheit der frommen Übungen

  1. Wenn Ihr fastet sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
  2. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht,
  3. damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

Wann fasten wir? Ganz profan, wenn wir abnehmen wollen, oder in der Zeit vor Ostern ist es auch bei nicht Katholischen wieder in Mode gekommen. Aber warum tun wir das? Oft doch, um uns selbst zu beweisen, dass wir von bestimmten Dingen, Gewohnheiten usw.  nicht abhängig sind.                      Was Fasten hier meint, ist die Konzentration auf Gott, frei zu sein, um ihn besser hören zu können, um ihn zu ehren. Jesus greift das Heuchlerische an, wenn die Konzentration ganz auf uns selbst oder auch den äußeren Schein gerichtet ist. Mit anderen Worten: wir wollen Eindruck auf andere Menschen machen. Da ist Fasten sicher nicht die einzige Übung, um andren klar zu machen, was wir alles für Gott tun. Z.B.: wir helfen anderen Menschen, gehen jeden Sonntag zum Gottesdienst, helfen bei jedem Fest in der Gemeinde, haben mehrere Aufgaben in der Gemeinde, unsere finanzielle Unterstützung ist selbstverständlich, missionieren, bringen andere Menschen mit in den Gottesdienst – so könnte ich weiter fortfahren. Manchmal ist es auch so, dass es uns nicht um die Anderen geht, sondern wir tun es, weil wir uns selbst gut finden.  Jesus sagt, sie haben bereits ihren Lohn, entweder den Beifall der Menschen, oder die eigene Selbstzufriedenheit.

Jesus lehnt ja nicht das Fasten ab, aber es ist entscheidend, warum und wie ich es tue.

Fasten kann eine Hilfe  zur besseren Konzentration im Gebet sein, der Hinwendung zu Gott, als Hilfe zum Sich-lösen von irdischen Dingen, wir gewinnen Distanz, sehen Dinge klarer in der Gemeinschaft mit Jesus Christus.  Auch unsere anderen Aktivitäten sollten wir hinterfragen, warum tue ich was und wie?  Gott sieht in unser Herz, er weiß, wie wir es meinen, ihm können wir nichts vormachen, er kennt uns. Und unser Vater, der ins Verborgene sieht, wird‘ dir vergelten!!

Ein Gedanke, der so unchristlich erscheint; wir wissen ja, was Jesus für uns getan hat, dass wir ihm nicht genug Dank dafür sagen können. Das stimmt natürlich, aber Jesus spricht hier vom Belohnen, wie er in Mt.19 Petrus nicht tadelt, wie er sich nach dem: was wird uns dafür erkundigt; Jesus nennt den Lohn der Nachfolge.  Die Bibel geht davon aus, dass menschliches Handeln ein lohnendes Ziel haben muss. Wir alle stellen uns ja die Frage, was wird aus meiner Arbeit, was wird aus meinem Leben? An vielen Stellen im neuen Testament wird auf Lohn, auf Ernten für seine Nachfolger hingewiesen. Gott wird es uns hundertfach erstatten, wenn wir hier auf Dinge verzichten müssen, oder wie die Jünger, alles verlassen um seinetwillen, oft schon in diesem Leben, aber spätestens in der Ewigkeit.  Wie man landläufig sagt: Gott lässt sich nichts schenken! Wir dürfen gespannt sein!!

Barbara Ludwig

Werbeanzeigen