Einander Engel sein

Von Thomas Stil

Einander Engel sein

Pappengel, Plastikengel, Schokoladenengel – und das schon ab Oktober, klar, dass man da wird immer mehr weihnachtsphober. Diese kleinen dicken Bengel, welche halten sich für Engel, müssen Christen oder allgemein der Westen aber nun ertragen bei ihren Festen.

Engel – das ist heute (sagt man) nur noch Deko und Kommerz, für den guten Geschmack meistens übler Schmerz. Jedoch: Die Banalisierung der Engel ist eigentlich keine moderne Sünde, sondern findet gute Gründe im Neuen Testament. Während im Alten die Engel den Menschen teils respektgebietend und zuweilen ruppig entgegentreten, scheinen sie in der Weihnachtsgeschichte kürzer zu treten: Sie spielen ihr Autoritätspotenzial gar nicht aus, helfen den Menschen aus der Not heraus, sagen „Fürchte dich nicht“ und gehen in ihrer Botschaft völlig auf. Sie weisen die Menschen auf den gebor’nen König in Bethlehem hin, auf dass sie ihn anbeten – sind aber selbst als Gäste direkt an der Krippe ungebeten. Was sagt das uns? Der Mensch steht in der Hierarchie Gottes über dem Engel – trotz seiner großen Mängel. Paulus stellt den Korinthern ja folgende kryptische Frage: „Wisset ihr nicht, daß wir über die Engel richten werden?“ Und auch Jesus in seiner Passion könnte (wie er selbst sagt) eine Engelsarmee herbeiflehen, möchte von diesem Privileg aber absehen und völlig in die Gesetzmäßigkeiten der Menschenwelt eingehen.

Engel – ja, es gibt ihn noch vereinzelt, den Glauben an Schutzengel. Und auch darüber hinaus sind Engel noch heute relevant: Int’ressant ist zum Beispiel der „Blaue Engel“, das Zeichen für umweltfreundliche Produkte. Helfen möchte dieses Zeichen, dass nach den guten Waren soll der Verbraucher greifen und von den schlechten weichen. Dieser „Blaue Engel“ ist sozusagen ein Bote der Umwelt, ja, der Schöpfung: Gibt man Acht auf seinen Rat und seine Botschaft, wird man gewahr, dass man auch selbst in der Welt Not schafft. Er will helfen, dass wir achten auf unser Einkaufsverhalten, sodass die Schöpfung kann ihre Gesundheit behalten.  Einen ebenfalls wichtigen Dienst vollbringen die „Gelben Engel“: Die Pannenhilfe hat zwar keine Botschaft an sich, aber einen großen Dienst, den sie verricht’t. Sie bringen gestrandete Autos auf Vordermann, wenn die leere Autobatterie das Vehikel zum Stehen zwang. Wir stellen also fest: Engel sind ständig im Dienst, nicht nur am Weihnachtsfest.

Engel – das ist ein Bote, also einer, welcher ist gesandt. Bekannt ist euch wohl auch, wie Jesu Jünger wurden noch genannt: Apostel, und das war Name und Programm. Auch das Wort ‚Apostel’ heißt Gesandter: Dieser hatte in unbekannte Länder zu reisen, um dort Gottes Tat in Christus zu preisen, Jesus als den Auferstand’nen zu verkünden und christliche Gemeinden zu gründen. Man kann diesem ‚zufälligen’ Umstand Rechnung tragen und es überspitzt so sagen: Die Apostel sind die Engel Christi, gesandt in die Welt, um andern Menschen Engel zu sein, das heißt, ihnen die Liebe Gottes zu bringen und mit dem Bösen in der Welt zu ringen, also stets im Dienst für den Nächsten zu steh’n, seine Probleme und seine Nöte zu seh’n.

Engel – das sind wir. Keine „Blauen Engel“, keine „Gelben Engel“, sondern Christi Engel. Wir sind’s nicht nur, wir sollen’s auch sein: Gesandte Gottes in die Welt hinein. Im Neuen Testament können wir lesen: „Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben! Denn ohne es zu wissen, haben manche auf diese Weise Engel bei sich aufgenommen.“ Es kann geschehen auf vielen Wegen, zu sein als Engel ein Segen, besonders in der Weihnachtszeit: Alte Bekannte kontaktieren und somit verschüttete Beziehungen regenerieren; mehr Zeit mit Freunden an der frischen Luft verbringen und eventuelle Winterdepressionen zum Fernbleiben zwingen; sofern möglich geschehenes Unrecht nicht mehr anlasten, vergeben, sich versöhnen und befreien von diesen Altlasten; viel Liebe verschwenden, also Geld spenden, schön gestaltete Weihnachtskarten versenden und seinen Partner tragen auf Händen.

Christi Engel sind keine Elite, Christi Gesandte können alle sein – trotz mancher Defizite. Warum nicht die Adventszeit mal zum Anlass nehmen, sich des Leids dieser Welt anzunehmen, nach einer besseren Welt zu sehnen, seine Aufmerksamkeit zu legen nicht auf Leckereien allein, sondern auch, einander Engel zu sein?!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s